Die Gedenkstätte bei der Grieselreute

Der König-Ludwig-Verein Rohrmünz hat es sich seit einigen Jahren zur Aufgabe gemacht, die Gedenkstätte bei der Grieselreute zu erhalten und zu pflegen. Unsere Mitglieder führen notwendige Renovierungsarbeiten durch, kümmern sich um die regelmäßige Pflege der Anlage und sorgen jedes Jahr dafür, dass sie sich in einem würdigen Zustand präsentiert. So wurden durch unseren Verein unter anderem die Gedenktafel restauriert sowie Fahnenmasten mit einer Deutschland- und einer Bayernfahne aufgestellt.

Mit diesem Engagement möchten wir das Andenken an die Verstorbenen bewahren und ihnen einen würdevollen Ort der Erinnerung erhalten. Im Anschluss an die jährlich stattfindende Gedenkmesse veranstaltet unser Verein ein Gartenfest in Rohrmünz.

Da vielen Besuchern die geschichtlichen Hintergründe der Gedenkstätte nicht bekannt sind, folgt hier eine Zusammenfassung der Ereignisse vom 27. April 1945 auf Grundlage des Augenzeugenberichts von Oskar Sperl aus Schierling.

Augenzeugenbericht von Oskar Sperl aus Schierling

Oskar Sperl und seine Kameraden, eine Truppe von etwa 150 jungen Arbeitsmännern des Reichsarbeitsdienstes (RAD), zogen sich während der letzten Kriegswochen in das Waldstück Grieselreute am Fuße des Dreitannenriegels zurück. Diese jungen Männer hatten nur eine kurze infanteristische Ausbildung erhalten und waren schlecht ausgerüstet. Sie waren auf der Flucht vor den vorrückenden amerikanischen Streitkräften und suchten im dichten Wald Schutz und Deckung.
Die Lage war angespannt, als sie ihre Zelte in einem steilen Hang aufstellten und sich zur Ruhe legten. Ein amerikanischer Spähtrupp, der möglicherweise von einem Einheimischen unter Zwang geführt wurde, entdeckte ihr Lager von einer nahegelegenen Jagdhütte aus. Die Amerikaner nahmen in einem oberen Hohlweg eine vorteilhafte Schussposition ein. Das Gefecht begann, als einer der deutschen Wachposten, möglicherweise den Anführer des amerikanischen Trupps erschoss. Dieser war sofort tot, und als Antwort eröffneten diese ein intensives Maschinengewehrfeuer auf das deutsche Lager.


Oskar Sperl beschreibt die Situation als chaotisch und tödlich. Während die Schüsse die Zelte durchlöcherten und alles, was sich bewegte, unter Beschuss nahmen, wurde er geweckt. In der Nähe hatten sich über Nacht auch deutsche SS-Truppen mit einem Kübelwagen verschanzt und beteiligten sich nun an der Schießerei. Die SS-Soldaten nutzten die Verwirrung und das Gelände zu ihrem Vorteil, feuerten jedoch hauptsächlich von ihrer Position aus, ohne direkte Befehle oder Koordination mit den RAD-Männern, was womöglich zu weiteren Verlusten führte.
Einige seiner Kameraden folgten einem Vorgesetzten, der den Befehl „Mir nach!“ rief, und flohen durch den Loosbach in Richtung Schellenberg. Sperl beschreibt, dass er sich einfach nicht anschließen konnte. Das Schicksal seiner Kameraden bewegte ihn zu sehr, sodass er sich entschloss, zum Ort der Auseinandersetzung zurückzukehren, trotz der Gefahr.


Auf dem Weg zurück stieß er auf zwei amerikanische Soldaten mit Maschinenpistolen im Anschlag. Sperl war sich sicher, dass er, keine faire Behandlung erwarten konnte.
Als er das Lager erreichte, sah er die schrecklichen Folgen des Gefechts. Die Toten lagen überall, ihre Schädel waren zerschlagen und ihre Körper von Fliegen bedeckt. Die überlebenden Arbeitsmänner wurden von den Amerikanern gefangen genommen, mit Gewehrkolben geschlagen und in Richtung Rusel getrieben. Verwundete wurden hingegen sofort von amerikanischen Sanitätern versorgt, was Sperl als einen kleinen Akt der Menschlichkeit inmitten des Grauens empfand.
Oskar Sperls Bericht veranschaulicht die Schrecken und die chaotischen Zustände während der letzten Kriegstage. Er zeigt die extremen Herausforderungen, denen die jungen Männer ausgesetzt waren, und die verheerenden Konsequenzen eines einzigen Schusses in einer ohnehin hoffnungslosen Situation.